Münchener Smalltalk-Stammtisch vom 21.10.2009


Dieses Mal hatte ich das Glück, dabei sein zu können, bei dem ST-Stammtisch im Münchener Restaurant/Kneipe Laab. Und es hat sich wirklich gelohnt, denn es ist Steffen gelungen, eine geballte Ladung hochkarätiger Themen zusammenzustellen.

Es war ein langer Abend, die meisten sind wirklich bis fast Mitternacht geblieben, und der eine oder andere sah am nächsten Tag auch danach aus😉

Wir waren ca 15 Teilnehmer, nachdem leider einige Stammgäste absagen mussten. Ich durfte den Reigen mit einem kleinen Update über die Neuigkeiten zu VA Smalltalk eröffnen. Interessanter Weise wurde an diesem Abend immer wieder mal über VAST diskutiert, weil diesmal fast mehr VA ST user anwesend waren, als Benutzer anderer Smalltalks.

Nach mir kam zunächst mal das Essen, und dann Josef Springer mit einem “Vortrag für Techies” über sein SmallCOM/X, mit dem es sehr einfach ist, OLE-Controls in VisualWorks einzubetten, und fast völlig zu vergessen, dass es sich dabei nicht um  Smalltalk-Klassen handelt.

Nach einer angeregten Diskussion über die Möglichkeiten und Fallstricke von OLE/ActiveX ging es auch schon weiter mit Udos Vortrag zu seinen ersten Projekten in Squeak/Seaside. Interessant war hier, dass er sich auf eigene Faust entschlossen hatte, einfach mal gegen eine Werbeagentur in Wettbewerb zu treten, die von seiner Firma beauftragt wurde, die Anwendung umzusetzen. Er war schneller mit der kompletten Anwendung, als die Werbeagentur mit ihrem ersten PHP-Prototypen, und das auch noch unter nebenbei-Erstellung von Diversen Frameworks zur Einbindung von OpenFlashCharts in Seaside. Die Anwendung hat zugegebener Massen keine sonderlich komplexe Business-Logik, sondern dient mehr als Teaser für potentielle Kunden, einmal an konkreten Zahlen und Wahrscheinlichkeiten zu sehen, welche potentiellen Sicherheitsrisiken (monetär bewertet) in seinem Unternehmen bestehen. Die Erfassung der Daten ist extrem einfach (jQuery lässt grüßen) und die Aufbereitung der Ergebnisse in Balkendiagrammen mit hübschen Verläufen, runden Ecken und Transparenz sieht wirklich sehr professionell aus. Selbstredend kam dann letztendlich seine Smalltalk-Applikation in Einsatz, und nicht das PHP-Ding. Da die Anwendung auch als Windows-Software verfügbar sein sollte, baute er dann noch eine Version in Dolphin, die genau dieselben Flash-Charts in einem nativen Dialog anzeigt (Da waren sie dann wieder, die OLE-Komponenten…) . Der Portierungsaufwand ist gering gewesen, und nujn haben sowohl die Dolphin- als auch die Squeak-User die Chance, Udos penFlashChart-Anbindung zu nutzen. Wenn das nicht toll ist.

Zum Schluss machte Udo dann ein wenig auf Geheimnisvoll und zeigte uns einen Prototypen einer Seaside-basierten Oberfläche für ein Device, das seine Firma bald auf den Markt bringen wird. So richtig was gesehen hat man nicht, aber es klang schon sehr cool… Vielleicht dann beim nächsten Mal…

Aber das war noch lange nicht alles. Der Vierte im Bunde war Sebastian Heidbrink, der uns einen Prototypen eines Tools zeigte, das seine Firma demnächst zur Vereinfachung des Eincheck- (bzw. Release-) Prozesses für VA Smalltalk-Code nutzen wird. Dabei geht es darum, beim Releasen von Änderungen alle Informationen zu sammeln und geeignet in einen Prozess zu füttern, der die nachgelagerte Bearbeitung der Softwareänderungen und die Dokumentation erleichtert. So muss im Projekt zu jeder Änderung erfasst werden, wer diese angefordert hat, wer sie testen muss, und noch einiges mehr. Diese Informationen werden in verschiedenster Weise genutzt. Das Tool ist ein typisches Maulwurfprojekt, wie das von Udo auch. Jemand hat sich gedacht, das wäre doch hilfreich und ein guter Einsatzzweck für Seaside, und einfach mal was umgesetzt, was die Kollegen beeindrucken soll, und einen gewissen “Will-Ich!”-Effekt auslösen soll. Da Sebastian für die Gestaltung in Gestalt von Marco Leberfing Unterstützung hatte, bin ich sicher, dass das gelingt. Die Oberfläche sieht gut aus, ist mit Hilfe von jQuery sehr modern und Responsibel gestaltet, und erleichtert auch noch einen bisher auf Excel basierenden Prozess. Ich würde sagen: Volltreffer.

Nachdem Udo in seinem Vortrag schonmal gesagt hatte, man solle unbedingt früh im Projekt einen Designer an Bord holen, unterstrich Sebastian das absolut. Er hatte keinen. Aber eigentlich hat er sein eigenes Argument widerlegt: ich fand, dass die Anwendung super aussieht, und das ist nunmal ein sehr wichtiger Faktor, wenn man Leute für etwas gewinnen will!

Wir haben dann sehr viel fachgesimpelt und fasziniert zugehört, was der eine oder andere zu Seaside an Erfahrungen oder auch Problemen hat, nur um dann irgendwann festzustellen, dass ja noch immer ein Programmpunkt offen ist: Marcos und Steffens Präsentation einer neuen Version von QueryVision, die nun bei einem Kunden vorgestellt werden soll. Auch hier wieder: Seaside auf Dolphin. Sehr beeindruckend, was für ein Metamodell für Abfragen aller Art hier hinter einer wohlgestalteten und funktional sehr uten Oberfläche steckt. Ich habe auch da wenig Bauchschmerzen, was den Erfolg der Präsentation angeht: das Ding sieht gut aus und erfüllt eine Aufgabe, die bei dem Kunden bisher nur mit langen Änderungsaufwänden realisierbar war.

Was also bleibt als Zusammenfassung zu diesem Abend:

  • Seaside ist in aller Smalltalker Munde und es gibt immer mehr kleine und größere Projekte, die nun erstmal in der Erprobungsphase sind.
  • Es gibt Einsatzfelder für Smalltalk, die man nicht für möglich gehalten hätte, und wo man irgendeine embedded Java oder gar C-Kiste vermuten würde
  • Es ist schön, sich mit anderen Smalltalkern zu treffen und zu plaudern: Smalltalken macht sogar mit Smalltalkern Spaß
  • Im Laab gibt es eine leckere Käsefladensuppe😉
  • Steffen hat es wirklich geschafft, diesen Smalltalk-Stammtisch aufzubauen, und immer wieder spannende Themen auszugraben
  • Es gibt Leute, die extra für den Stammtisch aus Stuttgart anreisen und am nächsten Tag wieder heim fahren: So schön ist Smalltalk!
  • Steffens Beamer mag keine Macs. Dabei mag Steffen Macs. Ich auch. Aber ich schätze, Steffen mag seinen Beamer mehr als ich😉

Von mir an dieser Stelle nochmal vielen Dank an Steffen für’s Organisieren und den Beamer, und an alle, die den Abend so interessant und kruzweilig gemacht haben. Ich hoffe, ich kann bald mal wieder dabei sein.