IntelliJ wird open source oder: was vom Java-IDE-Markt übrig bleibt


Auf  heise ist es nachzulesen: JetBrains gibt IntelliJ IDEA in Zukunft als open source frei und bietet neben einer kostenlosen “Community edition” eine kommerzielle “Ultimate edition” an.

Das jagt einem (also zumindest mir) einen Anflug von “das musste ja kommen” durch den Kopf. Die Macht, mit der Eclipse den Markt von Java- Entwicklungstools überrollt hat, hinterlässt ihre Spuren. JetBrains steht zu wünschen, dass das Kalkül aufgeht, eine freie Edition wird zumindest einige Leute dazu animieren, die Ultimate edition zu kaufen. Aber ich hege da so meine Zweifel: was, wenn sich nach und nach zeigt, dass es zunehmend Erweiterungen für IDEA gibt, die aus der open source-community kommen? Wieviele Entwickler werden wohl mit IDEA in seiner community edition zufrieden sein?

Natürlich ist es für eine kleine Softwareschmiede auch sehr schwer, gegen viele hundert Millionen Dollar schwere Gorillas wie IBM und die später hinzugekommenen Eclipse-Financiers zu halten: wie schnell kann man neue Features einbauen, wie lange kann man sich gegen den bestechend günstigen Preis einer Plattform ankämpfen, die rasant schnell voran schreitet und mit enorm vielen Plugins erweiterbar ist, die aus allen Richtungen auf den Markt kommen, in unterschiedlichster Qualität und mit Preisen von kostenlos bis zu einigen tausend Euro?

Vieles spricht dafür, sich einfach in diesen Sog hin zum Mainstream zu begeben, im Eclipse-Strom mitzuschwimmen, und sich darauf zu verlassen, dass die große Zahl der Nutzer und Geldgeber schon dafür sorgen werden, dass man es mit einem erstklassigen Werkzeug zu tun hat, und sich für jedes Problem jemand finden wird, der es schon gelöst hat, oder der sich helfend auf den Plan werfen wird, um es zu lösen, und das ganz sicher genauso kostenlos.

Leider ist das ein Trugschluss. Es ist nicht nur naiv, sondern geradezu fatal, zu glauben, dass, was kostenlos herunterzuladen ist, auch kostengünstig einzusetzen ist. Ich versuche seit geraumer Zeit, Mit Eclipse Galileo einen Workspace aufzusetzen, indem ich SWT-Anwendungen für Mac OS X unter Java 1.6, also 64-bittig, entwickeln kann. Kann alles nicht so schwer sein, alles auf der Eclipse-Seite herunterladbar.

Pustekuchen. Es kompiliert nicht, man findet keine Dokumentation dazu, und selbst die Download-Links sind teuilweise falsch. Plötzlich bekommt man was kompiliert, aber beim Start der Anwendung heisst es, man habe ja die 32-Bit-Variante von SWT, und die laufe nicht auf der JVM 1.6 (die auf dem Mac eben ausschliesslich in 64 bit verfügbar ist). Ganz sicher gibt es mein Stück Dokumentation irgendwo, und gantz sicher haben schon zig Leute das Ding am Laufen, und es ist auch alles ganz einfach, wenn man die 3 wichtigsten Tipps zum Thema mal gefunden hat.

Und genau da haben wir’s: wo sind sie? Auf Eclipse.org sind sie nicht, oder sie verstecken sich noch vor mir. Auf diversen Usenet-Foren habe ich nichts gefunden, und auch eine Google-Suche habe ich noch nicht formulieren können, die mir weitergeholfen hätte.

Kostenlos und open source kann eben auch bedeuten, dass man schlichtweg verloren hat, wenn’s nicht klappt. Von wegen “Ruf mich an!” wenn’s Probleme gibt. Ich kann ja mal bei IBM anrufen, die helfen mir sicher gern. Tagessatz sicher oberhalb dessen, was IDEA an Lizenzkosten inklusive Support gekostet hätte.

Im kommerziellen Umfeld ist es nur bedingt förderlich, wenn ein vermeintlich kleines Konfigurationsproblem ein paar Tage Projektverzögerung bedeutet, die man mit Google und verzweifeltem Selbstversuch verbringt. Man ist nachher ein Projektmitglied mit extrem angesehenem Spezialwissen, das steht ausser Frage. Es ist gut, solche Spezialisten im Hause zu haben, vor allem, wenn man weiterhin mit solchen Werkzeugen arbeitet. Aber es ist auch teuer. Nicht unbedingt, weil solche Spezialisten hoch bezahlt wären, sondern vor allem, weil sie sehr viel Zeit unproduktiv vergeuden, um Probleme zu lösen, für die man bei einem Hersteller wahrscheinlich wesentlich weniger bezahlt hätte.  Hinzu kommt, dass ein verzweifelt Suchender möglicherweise nicht nur Kosten durch seine eigene Ablenkung vom Wesentlichen verursacht, sondern möglicherweise ein paar Dutzend Kollegen in ihrem Projektfortschritt bremst. Da sind die Kosten für Support oder Lizenzen mit Support sehr schnell amortisiert, man kann sowas manchmal in Stunden zählen…

So hat eben alles seine Vor- und Nachteile. Wir können uns als Entwickler nun über eine weitere hervorragende und kostenlose Entwicklungsumgebung freuen, und glücklicherweise können wir uns für die ultimate edition entscheiden, um o.g. Szenario weitestgehend zu vermeiden. Solange sich das Modell trägt.

Eins ist und bleibt klar: Irgendjemand muss jedoch die Zeche zahlen. Wenn das Modell aufgeht und funktioniert, sind es die, die den Support brauchen.

Wenn nicht, verschwindet eine tolle IDE sehr schnell vom Markt.

Jetzt sind die User dran.

5 thoughts on “IntelliJ wird open source oder: was vom Java-IDE-Markt übrig bleibt

  1. hi joachim,
    seit Eclipse 3.5.1 (oder 3.6.Milestones) gibt es die EPP Pakete für OSX zum Download in 32-bit oder 64-bit Cocoa Version.
    Vorher war es nicht ganz so einfach – es gab dazu einiges an diskussionen.
    einige update sites findest du hier:
    http://ekkescorner.wordpress.com/eclipse/update-sites/
    die EPP Pakete in 32-bit / 64-bit hier:
    http://www.eclipse.org/downloads/
    wenn Du Galileo 3.5 hattest, gabs hier ne anleitung:
    http://ekkescorner.wordpress.com/osx/cocoa-64-bit/
    und wenn Du Eclipse Planet abonnierst
    http://planeteclipse.org/planet/
    dann erfährst du immer das wichtigste rund um eclipse – u.a. waren da auch die diskussionen bzgl. 32-bit und 64-bit.
    ekke
    btw: wenn du auf snow leopard upgraden kannst, dann sind dort auch unter OSX Java 6 in 32- und 64-bit möglich

    1. Ekke,

      es scheint, als wenn der WordPress-Spamfilter die Anzahl Deiner Links als verdächtig hoch eingestuft hat. Deshalb wäre dieser goldwerte Kommentar fast im Nirwana verschwunden. Ich werde mir die eine oder andere Seite mal genauer ansehen und dann von meinen Erfolgen berichten. Verstehe ich es richtig, dass es die Probleme mit 3.5.1 nicht mehr gibt, also vermutlich auch 64 bit drin ist, wo bei Eclipse.org auch 64 bit draufsteht?

      Schöne Grüße und vielen Dank,

      Joachim

  2. Stimmt schon, dass Eclipse auf Mac kein Spaß ist. So was macht man auch nicht😉 Lieber eine Windows VM und darin entwickeln. Außerdem ist SWT auf Windows am schnellsten, so dass der Geschwindigkeitsverlust durch die VM wieder raus geholt wird.

    Aber was wäre, wenn es Eclipse nicht gäbe? Dann hätten wir heute einen Markt mit den ganzen VisualCafes, JBuldern, VisualAgen und jeder Anbieter würde Preise in der Größenordnung von heutigen UML-Tools verlangen (oder wie bei Smalltalk). Sun hätte kaum mehr in NetBeans investiert und das wäre immer noch so langsam wie vor Eclipse. Natürlich gäbe es dann auch ein InteliJ — aber kaum für ein paar hundert Euro, sondern eher für ein paar Tausend.

    Letztendlich hätte sich Java nicht so weit verbreitet wie dank Eclipse. Heute verwendet fast jede Uni Eclipse in der Ausbildung.

    Und was wäre, wenn Java sich nicht so durchgesetzt hätte? Dann würden wir vielleicht heute alle VisualBasic programmieren müssen, weil Microsoft sich durchgesetzt hätte und die Kunden der IT-Dienstleister dann darauf abgefahren wären.

    Oder die Smalltalk-Hersteller würden immer noch arrogant hohe Preise für untereinander komplett inkompatible Implementierungen verlangen. Tun sie ja noch zum Teil, aber das interesiert die Kunden der IT-Dienstleister heute nicht mehr. Dann doch lieber Java.

    Letztendlich passiert die Commoditization bei jeder Middleware, bei Betriebssystemen, Datenbanken, Webservern usw. Wenn ich global denke, finde ich das eine gute Entwicklung, undzwar weniger wegen den gesparten Lizenzkosten, sondern mehr wegen der Unabhängigkeit von Herstellern.

    1. Frank,

      es geht ja nicht um Geschwindigkeit oder die schnellste SWT-Plattform, sondern um eine Möglichkeit, wirklich protierbar und dennoch “so nativ wie möglich” zu entwickeln. Schliesslich sind es gerade wir Macies, die eine hübsche Oberfläche wünschen bzw. sofort sehen, wenn eine Applikation anders aussieht.
      Eclipse auf dem Mac finde ich wirklich nicht übel, jetzt, wo ich sogar Scala darauf zum Laufen gebrachtz habe. Eclipse bietet eine Menge Tools und Frameworks, die wirklich hilfreich sein könnten, wenn man sie auch in anderen Sprachen (ich hätte da eine im Hinterkopf) zur Verfügung hätte.

      Überraschend finde ich, wie sehr eine Java-basierte IDE doch auf verschiedenen Plattformen ihre Eigenheiten zeigt. Schliesslich sind Java, XML und konsorten ja irgendwo die großen Heilmittel gegen Plattformprobleme und Nischen gewesen…

      Es ist ja nicht verwerflich, Eclipse zu verwenden, selbst in der Ausbildug nicht. Ob es für die Studenten gut ist, sie in Java zu trainieren, ist eine andere Frage…😉
      Ich finde Eclipse wirklich klasse, würde mir oft wünschen, einfach mal was dran zu ändern, ohne die Plugin-Bibel auf dem Schoss haben zu müssen, und ohne nächtelang nach Lösungen für Probleme zu suchen, die ich in Smalltalk-IDEs mit dem debugger hätte selber lösen können, oder die ich gar nicht gehabt hätte.

      “Dann doch lieber Java”
      Naja… Ich bin lieber produktiv😉

  3. Da kann ich Dir nur beipflichten. Frei zum Herunterladen heißt eben nicht kostenlos. Sondern im Gegenteil Du wirst wahrscheinich noch blöd angemacht weil Du erwartest, daß die Software auch tut. Dann wirst Du die Antwort hören. Mach doch selber Du hast Doch den Code….

    Vielleicht ist das auch der Grund warum es mit IDEs auf Linux eher mau aussieht…. Jedenfalls wenn es halt eben nicht gerade Java, C oder so ist…

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