Elektroautos ohne Batterie?


[UPDATE (21.09.2009): Inzwischen ist das Thema auch auf heise autos gelandet – und ab sofort geht es dann sicher durch die gesamte Autopresse.]

Alle reden von Elektroautos. Kein Hersteller traut sich, kein Modell für den Anfang des zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts zu versprechen. Ob man dann wirklich Modelle am Markt sehen wird, die jemand kaufen mag, ist eine andere Frage. Bisher hat die Autoindustrie sich vor allem dem Vorwurf ausgesetzt gesehen, dass die Ökomodelle, die sie für teils horrende Preise feil boten, absichtlich am Markt vorbei entwickelt wurden.

So sei es immer wieder dem Konsumenten anzulasten, dass er die Modelle ja nicht nachfrage, und stattdessen lieber hässliche, aufgebockte, augenscheinlich geländegängige PS-Monster kaufe, anstatt spärlich ausgestattete, künstlich verkargte Pseudo-Ökomobile zu fahren.

Die Geschichte wird auch beim Elektroauto so ausgehen, zumindest für die nächsten 5 oder 10 Jahre. Die Industrie wird sagen können, man habe ja einen dreeinhalbsitzigen Plug-In-Hybriden zum attraktiven Grundpreis von 23.000 Euros (ohne Lackierung und Radio) auf dem Markt, der Batteriepack mit seinen 17.000 Euro Anschaffungspreis und der Haltbarkeit von lediglich 4 Jahren oder 70.000 Kilometern führe jedoch zum vollständigen Fehlen von Nachfrage ausserhalb der Zielgruppe veganer Oberstudienräte mitte fünfzig, die dieses Fahrzeug als Zweitwagen für die Gattin beschafften.

So wird der Verband der Autoindsutrie nicht müde, vor allzu großer Euphorie um das Elektroauto zu warnen, während die Hersteller gelichzeitig auf der IAA ministeriale Pressephototermine vor dem fast serienreifen Elektrofahrzeug im Minutentakt durchführen.

Bereits seit Jahren hört und liest man ab und an mal von einer Technologie, die eventuell eine Lösung für das Problem der teuren und schweren Batterien sein könnte: Redox-Flow-Stromquellen.

Nun hat die Fraunhofer-Gesellschaft einen wichtigen Erfolg  zu ihren Forschungen mit dieser Technologie zu vermelden:

Bisher haben die Redox-Flow-Batterien jedoch einen Nachteil: Sie speichern deutlich weniger Energie als Lithium-Ionen-Akkus. Die Reichweite der Autos würde nur etwa ein Viertel betragen, rund 25 Kilometer – der Fahrer müsste also viermal so oft die Batterien nachladen. “Wir konnten die Reichweite nun auf das vier- bis fünffache steigern – damit kommt sie in die Nähe der Lithium-Ionen-Akkus”, freut sich Noack.

Kurz gesagt handelt es sich dabei um eine betankbare Batterie. Ein Auto hätte zwei Tanks: einen für die geladene Elektrolytlösung, eine zweite für die Entladene. Anstatt das Auto stundenlang an eine Steckdose zu hängen, könnte man schlichtweg den “leeren” Tank an eine Tankstelle entleeren, und frisch geladenen Saft nachtanken. Genau so, wie wir das bereits gewohnt sind. Natürlich steckt auch hier eine relativ aufwändige, und ebenfalls noch nicht serienreif entwickelte Technologie, aber ich sehe in dieser Geschichte einige Argumente, die, wie ich als Laie meine, diese Technologie interessant erscheinen lassen:

  • Ein Fahrzeug könnte in einem engen Tankstellennetz wie bisher in wenigen Sekunden aufgetankt werden. Selbst wenn also eine Reichweite von nur 200 Kilmetern erreichbar wäre, würde sich hier in Mitteleuropa daraus sicher kein Problem ergeben. Klingt das nicht verlockend für die Betreiber von Tankstellennetzen?
  • Strom wird ohne richtig große Investitionen in die Infrastruktur transportierbar: Öltanker werden zu Elektrolyttankern, Tanklaster transportieren Elektrolytlösungen (beide könnten auf lange Sicht sogar selbst per Redox-Flow-Strom angetrieben werden), und an den Tankstellen werden eben neue Tanks verlegt.
  • Ideen hinsichtlich Lastausgleich und intelligenter Ladezyklen für Plug-In-Hybride können beim Einsatz von Grossanlagen zur Aufladung der Elektrolytlösung sicher noch deutlich effizienter und kostengünstiger umgesetzt werden, als in millionen individuellen Elektroautos
  • Selbst für die OPEC-Staaten wäre hier potential: die meisten haben ihr Öl in sehr sonnigen oder windigen Gebieten. Hier könnten große Solar- oder Windkraftwerke errichtet werden, um anstatt Öl eben Strom in den Weltmarkt zu pumpen.
  • Mit Hilfe von regenerativen Energien wie Solarenergie, Geothermie, Biogas (bitte nicht mit Palmöl aus den eigens dafür abgeholzten Urwäldern oder aus Lebensmitteln wie Mais oder Raps) könnte man eine gewisse Neuordnung weltwirtschaftlicher Abhängigkeiten erreichen

Und trotzdem ist das Thema nicht sonderlich bekannt.

Will etwa keiner das Elektroauto, das alle derzeit als den Schlüssel zur individuellen Mobilität der Zukunft erklären?

2 thoughts on “Elektroautos ohne Batterie?

  1. Nissanfan,

    ich habe zuallererst vor etwa zwei Jahren in einer Radiosendung auf meinem Lieblingssender Deutschlandradio gehört, und seither habe ich eigentlich auch nicht mehr viel darüber gelesen oder gehört.
    Da wurde das Projekt mal vorgestellt und die Anwendung für Automobile skizziert. Damals hiess es, man suche noch nach Chemikalien, die eine höhere Energiedichte erlauben.
    Die Idee der Betankung eines Elektrofahrzeugs und die frappierende Ähnlichkeit eines Logistiksystems zur Verbreitung einer Elektrolytlösung im Vergleich zur heutigen Erdöl-Logistik macht es für mich so unverständlich, dass nicht hier Milliarden in die Forschung fliessen. Schliesslich ist das ein Mix aus Geschäftsideen für fast alle Beteiligten: Mineralölgesellschaften, Autoindustrie, Energieversorger und nicht zuletzt ist es für die Emirate z.B. ein Zukunftsfeld für die “Zeit nach dem Öl”…
    Vielleicht sogar besser, als Luxushotelinseln in Weltregionen zu bauen, in die dann ohne Öl eh keiner mehr hinfliegen kann😉

  2. Von diesen Redox-Flow-Zellen lese ich jetzt zum ersten Mal. Ich muss sagen, dass das Prinzip (so weit ich das verstehe) spannend klingt. Das Problem scheint ja das Gleiche zu sein wie bei den Lithium-Ionen-Akkus, also die Reichweite und das Gewicht, aber wenn sich da technische Fortschritte ergeben, könnte das ja was werden *g*. Immerhin würde zumindest der eigentliche Tank-Vorgang ziemlich schnell gehen, was wieder ein großes Plus wäre.

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