… und Steve Jobs brät Kinder


Das ist natürlich ein Fressen für die Presse: Vermutlich egen eines verlorenen iPhone-Prototypen und brutalen Verhörmethoden seines Arbeitgebers hat sich ein chinesischer Ingenieur bei Foxconn in den Tot gestürzt.

Nun, das iPhone ist natürlich so prominent, dass sich daraus trefflich eine großartige Story backen lässt. Aber der Zusammenhang mit dem iPhone und Apple ist hier sicherlich eher ein Zufall. Foxconn baut nicht nur Produkte für Apple, sondern für fast jeden anderen “Hersteller” von Computern auf der Welt. Vielleicht sind die Verschwiegenheitsvereinbarungen mit Apple heftiger und mit größeren Konventionalstrafen versehen, aber grundsätzlich wäre diese Geschichte auch möglich gewesen, wenn es ein Prototyp eines Palm Pre, eines neuen Sony-, Toshiba- oder HP-Notebooks gewesen wäre.

Nach diesem Vorfall und mit Blick auf die Arbeitsbedingungen in China sollten wir uns eigentlich schon ab und an die Frage stellen, ob es uns denn wirklich Sch*egal ist, ob der 39,- Euro Blu-Ray-Brenner vom Schleckermarkt-Online-Schnäppchenmarkt aus einem Land stammt, in dem Menschen behandelt werden wie Vieh. Andererseits haben wir uns ja daran gewöhnt, dass geizgeile Unterhaltungselektronik und Spielzeug und was nicht noch so alles aus Ländern wie Vietnam, China, Hong Kong etc. jede Woche nochmal 5 Euro billiger wird. Ein MP3-Player  mit 128 GB Hauptspeicher und UKW-Radio kostet bald weniger als ein Friseurbesuch, und diese Branche ist ja inzwischen auch nicht mehr für einen vernünftigen Umgang mit Menschen bekannt.

Wir wollen es so, und es ist auch inzwischen sehr schwer, sich dem zu entziehen: welches Netbook wird nicht in CHina zusammengewerkelt? Welches Handy stammt nicht aus der dritten Welt oder einem Tigerstaat? Wo bekomme ich noch einen DVD-Player aus einem entwickelten Land mit vernünftigen Arbeitsverhältnissen, selbst, wenn ich doppelt so viel bezahlen würde?

Seien es nun Schuhe, die in Vietnam für 6 Euro geleimt und mit einem Nike-, Reebok- oder Aldi-Logo versehen werden, und bei uns für 80 oder 139 Euro verkauft werden, oder Unterhaltungselektronik: Alternativen gibt es keine mehr, und wenn, wären sie nur zu Luxuspreisen zu haben.

Unsere Arbeitswelt hier in Europa ist großartig: wir arbeiten kürzer, als wir schlafen, haben mindestens 2 Wochentage frei und müssen nur 10 bis 11 Monate im jahr zur Arbeit. Leider sieht es in Fabriken anderswo nicht so aus.

Wofür müssen wir nun mit dem Finger auf Apple zeigen? Weil es in China produzieren lässt und große Margen mit einem Hochpreisprodukt erzielt? Wer das für Verwerflich hält, sollte mal einen Rundgang durch seine Wohnung machen, und sich alle Produkte wegdenken, die aus Fernost stammen, selbst wenn amerikanische oder europäische Markenschilder draufkleben. Man hätte sehr viel Platz im Hause, wenn all das Zeug weg wäre.

Vielleicht sollten wir auch loslaufen und jedem iPhone- oder iPod-Nutzer einen gelben Farbklecks auf die Stirn sprühen. Und natürlich allen anderen MP3-Player-Besitzern und Handy-Telefonierern. Einfacher wäre es, wir würden uns den Klecks selbst aufsprühen😉.

Was genau will uns der Autor nun mit diesem Artikel sagen?

Schwerter zu Pflugscharen und Alle Macht den chinesischen Tagelöhnern? Tot den Konzernen, die nur Gewinne machen wollen, und Kosten drücken, wo sie können, um nächste Woche im Geizprospekt wieder dabei zu sein?

Um ehrlich zu sein, ich habe keine Weltverbesserungsformel.

Ich nutze auch ein Handy aus Fernost und trage Schuhe made in Vietnam. Auf meinem Schreibtisch steht ein Mac aus chinesischer Produktion und mein Acer-PC wird auch nicht wirklich von glücklichen Koreanerinnen verklebt worden sein (und wenn sie glücklich waren, lag es sicher nicht an ihrem Job).

Kann man was tun? Will man was tun? Wer könnte was tun?

Achja: ich habe keine Ahnung, was Steve Jobs so zum Abendessen auf seinem Grill brutzeln lässt, ich dachte nur, so liest wenigstens jemand den Artikel😉