Für wen bringt Seaside in VA eigentlich was?


Auf meinen Beitrag VAST und Seaside stellt sich Claus in einem Kommentar die Frage, für wen Seasideauf VA Smalltalk eigentlich sinnvoll ist. Die Frage ist wesentlich schwieriger, als man vielleicht zunächst denkt.

Seaside an sich ist eine tolle Plattform für alle Web-Anwendungen, die über einen einfachen 08/15-Shop hinausgehen und in erster Linie durch eine gewisse Komplexität sder Business-Logik geprägt sind.

Seaside selbst ist ja auch – von der Kostenseite her betrachtet – eine echte Alternative zu diversen CMS oder gar einer Java-Lösung. Solange man sich an eine kostenfreie Smalltalk-Umgebung hält, wie etwa Squeak oder andere Nichtkommerziell lizenzierbare Smalltalk-Pl attform hält, kostet Seaside nichts und bringt enorme Entwicklungskosten- und vor allem Wartungsvorteile gegenüber Java, CMS und sogar gegenüber Ruby on Rails (zumal, wenn man sich von der CRUD-Logik von Rails ein Stück weit entfernen möchte).

Kommen die Lizenzkosten für die Smalltalk-Plattform ins Spiel, geht die Rechnung Gratis gegen Gratis erst mal nicht mehr auf. Ich bin zwar der festen Überzeugung, dass Gratis nicht unbedingt billig sein muss, und muss auch gestehen, dass ich nicht verstehe, wieso man in der Ruby-Welt dem Thema Tools noch so indifferent gegenübersteht, aber diese Diskussion möchte ich an dieser Stelle nicht weiter vertiefen. Ich habe dazu ja schon mal was geschrieben.

Ich bin also fest davon überzeugt, dass die Lizenzkosten für eine gute Smalltalk-IDE durchaus gerechtfertigt sein können und sich sehr schnell amortisieren können, sogarin einem kleinen Unternehmen.

Aber zurück zur Frage: für wen ist Seaside auf VA Smalltalk eigentlich interessant?

Diese Frage ist zweigeteilt zu beantworten:

a) für wen ist es aktuell interessant?

b) für wen wird es interessant sein, wenn Seaside 2.9 fertig und in VA Smalltalk integriert ist?

Die Frage a) ist relativ einfach zu beantworten: für alle, die bestehenden VA Smalltalk-Code haben und darüber nachdenken, Teile der bestehenden Funktionalität auch im Browser zur Verfügung zu stellen oder die gesamte Anwendung auf Browser-Technologie umzustellen. In diesen Projekten sind zunächst einmal viele Fragen zu klären, die mit der reinen Präsentation im Browser herzlich wenig zu tun haben (siehe dazu auch meinen Vortrag vom VA Smalltalk Forum Europe 2008) . Hier geht es erstmal um die Evaulierung von Machbarkeiten und die Erstellung von Prototypen. Für diese ist m.E. der aktuelle Stand der Seaside-Integration in VA Smalltalk völlig ausreichend. Alles, was mit der Natur eines Multi-Session-Servers zu tun hat, kann mit dem aktuellen Stand von Seaside in VAST bestens ausprobiert werden. Das Team kann sich mit der Technik vertraut machen und vielleicht bereits erste Teile der Anwendung in Produktionsreife bringen, unter Weiterverwendung des bestehenden Business- und Workflow-Code.

Wenn dann mal (und damit wären wir bei Frage b) ) Seaside 2.9 fertig und in VASt integriert ist, sieht die Sachenochmal ganz anders aus. VA Smalltalk ist bei weitem nicht die teuerste Smalltalk-Entwicklungsumgebung am Markt und bietet sehr viele Integrationsmöglichkeiten mit vor allem in großen Unternehmen im Einsatz befindlichen Technologien wie DB2, Oracle, MQSeries etc.
Gekoppelt mit den Stärken der Sprache Smalltalk ist das eine der besten Plattformen für die Erstellung von Web-Anwendungen. Zumal, wenn dann noch das Persistenzframework GLORP ins Produkt integriert ist. Dann wird Seaside auf VASmalltalk auch für ein deutlich breiteres Publikum interessant sein.Für jeden, der die Flexibilität von Smalltalk für eine komplexe Logik im Web nutzen möchte, und dabei auf eine stabile Smalltalk-Plattform setzen möchte, sollte sich dann ernsthaft mit VA Smalltalk beschäftigen.