Wahnsinn im Kubus: IBM und Sun


Nichts genaues weiss man ja wieder nicht, aber irgendwie sind sich “Analysten” und “Branchenkenner” einig, dass die Sun-Führungsriege ein gar nicht allzu schlechtes Angebot von IBM abgelehnt hat. 7 Milliarden US-Dollar wollte IBM anscheinend zahlen für eine Firma, die ausser einem Betriebssystem und einer sich zunehmend schlechter verkaufenden Server-Produktfamilie nicht allzu viel profitables zu bieten hat. Klar, der Name Java ist sicher was wert, und MySQL und OpenOffice bzw. StarOffice sind bekannte Produkte.

Aber IBM verdient an Java sicher ein Vielfaches von dem, was Sun daran verdient. Schliesslich hat IBM eine ganze Reihe an Produkten am Markt, seien es Java-Entwicklungswerkzeuge, etablierte Middleware oder eben Java-Applikationsserver. Und die IBM-Servicesparte macht sicher auch einen signifikanten Teil seiner Gewinne mit Projekten rund um die Sprache Java. MySQL ist für IBM sicher ziemlich uninteressant, und an der kommerziellen Variante des opensource-Office-Pakets ist sicher kaum genug zu verdienen, um die Entwckler zu bezahlen. Und mit dem einstigen Lotus-Office-Paket hatte man ja auch nicht gerade viel Erfolg.

Eins muss man dem Sun-Management schon lassen: Mut zum Risiko ist da. Man hat seit Jahren schlechte Presse und dazu passende Zahlen (oder umgekehrt), verliert ständig Marktanteile auf dem einzigen Markt, an dem man sich profiliert hatte, und lehnt dann eine relativ großzügige Offerte ab, die auch ein nettes Sümmchen an Abfindungen fürs Top-Management erlauben würde. Aber offenbar nicht genug:

According to Bloomberg, Schwartz and McNealy both have contracts guaranteeing them three times their annual pay in salaries and bonuses if Sun is acquired. IBM did not want to make such payments to the executives, Bloomberg reported

Sicher heisst es ja, der Kapitän solle das sinkende Schiff als Letzter verlassen, aber ich kann mir irgendwie nicht so recht vorstellen, dass sich hier moralische Fragen in den Vordergrung gedrängt haben;-) . Lässt auch hier die allzu menschliche Gier grüßen?

Ich muss sagen, für mich ist die Sache ziemlich seltsam: ich verstehe nicht recht, was IBM denn mit Sun will, und gleich gar nicht verstehen mag ich, wieso man bei Sun diese rettende Hand nicht schnell ergriffen hat. Alles deutet aktuell darauf hin, dass Sun alleine ziemlich bald die Puste ausgeht, und die Firma völlig zusammenbricht…

Wahnsinn ist da am Werk, oder eine Macht, die wir nicht zu greifen vermögen. Oder es liegt an mir…

2 thoughts on “Wahnsinn im Kubus: IBM und Sun

  1. Ich bin nicht sicher, ob man das vergleichen kann. Die Gier, über die wir heute so sehr zu schimpfen belieben, ist eine persönliche. Und irgendwo hat sic das ja mal hochgeschaukelt: wenn einer eben 17 Millionen per annum zu bezahlen bereit ist, müssen das die anderen eben auch tun, sonst gehen die guten Leute woanders herrschen. Und andersrum: wenn ich als Boss von Unternehmen A bis zu 130 Millionen machen kann, wieso sollte ich dann bei Unternehmen B für gerade mal 35 Millionen anheuern?
    Achja, im Kleinen gibts das natürlich auch: Geiz und Gier sind wesentlich weniger voneinenander zu unterscheiden, als man vielleicht auf den ersten Blick glaubt. Wir Konsumenten sind ja inzwischen auch nicht mehr bereit, für Qualität einen vernünftigen Preis zu zahlen.
    Und Neid passt in dieses Trio Infernale auch noch sehr gut rein, und genau dieser spielt in der aktuellen Diskussion auch eine ganz wichtige Rolle…

    Aber mal zu was Anderem: Ich kann zu ParcPlace nicht viel sagen, ich hatte nie mit denen zu tun. Cincom ist sicher nicht unbedingt ein Billigheimer, bietet aber auch eine ganze Menge fürs Geld. Bei den anderen beiden “großen” Anbioetern – Gemstone und Instantiations kommt man oft günstiger weg. Aber auch da ist man nicht wirklich im IDE-Discounter angelangt. Vielleicht muss man aber auch fairer Weise sagen, dass weder Cincom, noch Gemstone oder Instantiations gesponsert wird wie etwa Eclipse, in das alleine die IBM so viel geld gepumpt hat, dass man davon sicher eine ganze Menge mit allen drei Smalltalk-IDEs hätte anstellen können.

  2. Die Gier ist doch heute extrem, nicht nur aber ganz besonders bei US-Amerikanern!

    ParcPlace war doch dafür das beste Beispiel. Und Cincom ist auch nicht viel besser.

    Wird Zeit, daß dieses kranke System zusammenbricht….

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