Gartner sieht wachsende Bedeutung dynamisch getypter Sprachen


Mark Driver, ein Analyst bei Gartner (eben der, der erst im Oktober schrieb: “I said it. Smalltalk is making a comeback.“) verweist in seinem neuesten Blog-Beitrag auf eine (nur für zahlende Kunden herunterladbare) “research note”, und gibt eine kurze Zusammenfassung davon zum Besten:

Dynamic programming languages, such as PHP, Python and Ruby, are making their way into mainstream IT efforts

Zwar nennt er Smalltalk nicht explizit, aber im Verlauf des Postings wird klar, dass Smalltalk neben JavaScript und Ruby sicherlich einer der interessantesten Kandidaten aus dem Umfeld der dynamischen Sprachen ist (Interessanter Weise nennt er auch JavaScript nicht).
Ein Schlüsselsatz seiner “Key Findings” ist sicher:

Dynamic programming languages offer a number of unique capabilities that cannot be duplicated with established market-leading technologies.

In der Tat sind dynamische Sprachen wie eben gerade Smalltalk sehr mächtig und erlauben ein Verhältnis zwischen “technischem” Code und “fachlichem” Code zu erreichen, das in Sprachen wie C#, Java oder C++ völlig undenkbar ist. So ist es schon lange kein Geheimnis mehr, dass ein erfahrener Smalltalk-Entwickler eine deutlich höhere Produktivität und gleichzeitig eine wesentlich geringere Fehlerquote hat, als ein gleichsam erfahrener C++- oder Java-Programmierer. James Robertson schrieb dazu schon 2001:

Research studies comparing different programming languages indicates
that Smalltalk is more efficient. This enables programmers to solve a given problem
quicker and with less code — typically 1/2 to 1/3 of the code required of a C++/Java programmer. Independent studies also show that Smalltalk has fewer defects.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Möglichkeit der Meta-Programmierung, mit der sich Probleme auf abstrakter Ebene sehr einfach lösen lassen. Ein Feature, das einigen der von Driver genannten Sprachen übrigens fehlt.

Driver gibt zu bedenken, dass die Arbeit mit dynamischen Sprachen anders ist, und weist darauf hin, dass die Entwicklung in z.B. Ruby (oder eben Smalltalk) neue “best practices” erfordert. Dem ist sicher nichts hinzuzufügen. Leider schweigt er sich (zumindest im Blogpost) darüber aus, welche Bereiche er hier identifiziert hat.

Einige der Best Practices, die sich auch in der Welt statisch getypter Sprachen zunehmend durchsetzen, sind der Smalltalk-Welt entliehen und zählen zu den anerkannt wichtigesten Methodiken, um qualitativ hochwertigen Code mit einem hohen fachlichen Deckungsgrad herzustellen. Beispiele? Gerne:

Driver sollte also sicher ergänzen, dass es diese Best Practices gibt, und vor allem sehr ausgereifte Werkzeuge zu deren Einsatz, die in der “etablierten Welt” teilweise noch nicht in voller Pracht angekommen sind. Die gesamte “Pragmatic Programmer“-Bewegung zielt auf den Einsatz von dynamischen Sprachen hin und arbeitet Practices aus, die vor allem die Achsen Geschwindigkeit und Qualität der Softwareentwicklung im Focus haben. Interessanter Weise wird in dieser Szene sehr viel über Ruby und Rail, aber nicht über die meisten anderen dynamischen Sprachen geredet und geschrieben.

Als Fazit lässt sich festhalten: Man kann über Analysten denken, was man will, aber hier trifft Driver voll ins Schwarze. Dynamische Sprachen sollte man in den kommenden Jahren im Auge behalten.

… Und doch daneben: ich hätte anstatt Python und PHP hier sicher eher JavaScript, Groovy und Smalltalk gesehen, denen eine interessante Zukunft zuzutrauen ist. Smalltalk nicht zuletzt deshalb, weil hier die ausgereiftetsten Werkzeuge zur Verfügung stehen.

Zum Abschluss möge sich  der geneigte Leser folgende Empfehlung von Gartner ans Herz legen lassen:

Consider dynamic programming languages for projects where .NET and Java are overly complex for project design goals

Mehr ist dem nicht hinzuzufügen.

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