ESUG – Nachschau


Nun ist sie also vorbei, die ESUG-Konferenz 2008. Ich konnte ja (wieder mal) nicht hin, weil einiges zu tun war. Meine beiden Vorträge zum VA Smalltalk Forum sind halbwegs fertig und ein bisschen Democode ist auch schon geschrieben. Am kommenden Montag ist ja schon die Generalprobe zu einem der beiden Vorträge beim Münchener Smalltalk-Stammtisch.

Aber zurück zur ESUG:
Es war wohl ein voller Erfolg. Mehr Teilnehmer als je zuvor und so manch einer hat in seiner Begeisterung massenhaft Fotos geschossen und ins Netz gestellt. Ausserdem hat James Robertson gebloggt, gepodcastet und Videos aufgezeichnet und die Folien der Vorträge sind auch online gestellt.

Links zu alledem sind  auf der Seite http://vst.ensm-douai.fr/Esug2008Media zu finden. Ein Besuch lohnt sich ganz sicher.

Was ich besonders erwähnenswert fand:

  • Steffen und Marco haben mit QueryVision eine wicklich tolle Software für den Innovation Award vorgeführt, und ich finde es schade, dass sie nicht besser platziert wurden. Ich habe QueryVision auf dem Smalltalk-Stammtisch in München gesehen und war ziemlich beeindruckt, nicht nur davon, dass es Drag&Drop in Seaside unterstützt, sondern auch von den mächtigen Möglichkeiten, kompleye Abfragen durch einen Endbenutzer erfassen zu lassen. Und das ganze nicht begrenzt auf SQL-Datenbanken, sondern auf einem abstrakten Level, der auch jede andere Technologie unterstützt.
  • Seaside ist in aller Munde.
  • Cincom macht einen hervorragenden Job im Marketing rund um Smalltalk. James Robertson ist da sicher einer der eifrigsten Blogger, Podcaster, Fotografierer und Filmer, die man sich wünschen kann.
  • Marten, der auch zumindest zeitweise in Amsterdam war, hat mich auf eine frappierende Tatsache gestossen: Ausser John O’Keefe’s Vortrag zu Version 8 von VA Smalltalk war gar kein Vortrag aus dem Umfeld von VisualAge oder VA Smalltalk vertreten.

Dabei liegt das ganz sicher nicht daran, dass es keine interessanten Projekte in VA Smalltalk geben würde. Aber woran liegt es dann? Wir haben gleich mal angefangen, uns zu überlegen, was man da tun könnte. Schliesslich ist VA sicher kaum weniger interessant als VisualWorks oder Squeak, und ich kenne da ein paar Kunden, die wirklich interessante Aufgabenstellungen mit VA Smalltalk lösen. Die Frage ist nur: wie kann man die Anwender von VA Smalltalk animieren, auf der ESUG (oder einer anderen Veranstaltung) mal einen Vortrag zu halten?

Vielleicht liegt es an dem Ruf der ESUG-Konferenz, eher eine akademische und Squeak-geek-Veranstaltung zu sein (die sie m.E. nicht mehr ist), und weniger eine Industrie-Konferenz für Praktiker. Ganz sicher liegt es auch daran, dass es im VA Smalltalk-Umfeld eher nur industrielle Anwender gibt, und tendenziell wenige open source – Projekte.

Nun, vielleicht muss man das Ruder einfach mal in die Hand nehmen, und die ESUG mehr zu einem Industrie-Event machen. Cincom und Gemstone nutzen die ESUG für Produktpräsentationen, Instantiations hat auch die Version 8 von VA Smalltalk vorgestellt.  Also warum nicht auch auf der ESUG Projekte und Produkte vorstellen?

Eigentlich wäre die ESUG die perfekte Plattform für einen Industrial Track, also einen oder zwei Tage, an denen sich die industriellen Themen konzentrieren.

Vielleicht ist die Zeit reif, durch entsprechendes Vortragsprogramm auch mehr die Industrie anzulocken. In anderen Bereichen ist die Lücke zwischen Open Source und Industrie schon lange geschlossen, und im Smalltalk-Bereich werden zunehmend open source – Produkte im industriellen Umfeld eingesetzt. Squeak, Seaside und GLORP sind hier nur die bekanntesten Beispiele…

Naja, die Ideen hierzu beginnen sich erstmal zu formieren.
Ich würde mich sehr über Kommentare zum Thema freuen. Was denken andere Smalltalker darüber? Was könnte man tun, um die ESUG im nächsten Jahr attraktiver für Unternehmen zu machen? Was könnte man tun, um auch VA Smalltalk dort eher zu repräsentieren?