GemTalk Systems ist das neue Zuhause von GemStone/S und GLASS – ein Deutungsversuch

Es hat sich sicher schon herumgesprochen, dass die Entwicklungs- und Supportmannschaft von GemStone/S und GLASS sowie das darauf basierende MagLev für Ruby nun in einer neuen Firma zuhause sind. Das neue Unternehmen heisst GemTalk Systems und besteht aus der kompletten Mannschaft, die bisher an GemStone gearbeitet hat. Für das Produkt sind das sehr gute Nachrichten. GemStone/S war bei vmware irgendwie ein Stiefkind. Man musste auf der vmware-Website lange suchen, bis man GemStone/S fand. Selbst auf der zentralen Seite aller Produkte waren diverse Produkte aufgelistet, die ursprünglich von GemStone stammten (z.B. GemFire, SQLFire), nicht jedoch das eigentliche Flaggschiff.

Aus den Pressemitteilungen und Blog-Einträgen ist nicht zu entnehmen, wer die Investoren sind, die GemStone von vmware übernommen und GemTalk daraus gemacht haben. Auch auf der Website sind keine Informationen dazu zu finden. Dafür aber, dass vmware sich auch von den anderen Produkten wieder getrennt hat, wegen derer sie GemStone vor drei Jahren gekauft hatte. Diese sind ein paar Wochen zuvor in die Firma Pivotal ausgelagert worden und werden dort weitergeführt. Was das ganze für vmware für einen Sinn hatte, erschliesst sich mir nicht. Aber wer GemStone ein bisschen kennt, weiss, dass es schon in den neunziger Jahren mal ganz ähnlich zuging: der Börsenkracher Brokat aus Böblingen/Stuttgart hatte GemStone gekauft, um sein Portfolio mit GemStone/J (das es meines Wissens inzwischen nicht mehr gibt) aufzupeppeln. Glücklicher Weise ging Brokat erst vor sdie Hunde, nachdem GemStone mit viel Verlust wieder verkauft worden war. Auch bei Brokat hatte man den eigentlichen Edelstein von GemStone nie verstanden. Martin McClure hat auf der letzten Smalltalks 2012 einen sehr interessanten Vortrag zur Geschichte seines Arbeitgebers gehalten (hier gibt es das Video dazu). Um einen running gag aus diesem Vortrag fortzuführen: GemTalk Systems bleibt im selben Bürogebäude und zieht dort einen Stock höher ;-)

Nun könnte man meinen, sowohl Brokat als auch vmware haben sich an GemStone verschluckt, weil Smalltalk einfach nicht mehr zeitgerecht ist und niemand Smalltalk nutzt, zumindest niemand, der dafür Geld ausgeben möchte. Also war es nur logisch, das Zeug wieder abzustossen, und die Perlen des Unternehmens zu behalten.

Schaut man genauer hin, ergibt sich dann aber doch ein ganz anderes Bild: Die Kundenliste von GemTalk Systems ist sehr beeindruckend. Nicht, weil die Namen darauf so bekannt sind und Eindruck machen. Vielmehr, weil dahinter Unternehmen mit sehr komplexen, datenintensiven und äusserst flexiblen, veränderlichen Abläufen stecken.

Wie sonst, ausser durch seine besonderen Eigenschaften gerade für sehr komplexe Abläufe und hohe Datenvolumina liesse sich erklären, dass es Investoren gibt,  die eine Ausgründung von GemTalk Systems ermöglichen? Warum sollte jemand Geld in eine Firma stecken, deren Geschäft eine heisse Kartoffel ist, die vmware einfach fallen lassen möchte?

GemTalk hat eine beeindruckende Kundenliste, die – so wird gemunkelt – für einen attraktiven Cash-Flow sorgt. GemStone ist ein profitables Produkt, und das schon seit Jahrzehnten. GemStone war für Brokat eine Cash Cow und bei VMware war es nicht anders. Wie sonst liesse sich erklären, dass GemStone weiter existierte und das Produkt weiter entwickelt wurde? Wie sonst liesse sich erklären, dass vmware die kostenlose Verwendung von GLASS auch für kommerzielle Zwecke weiter gestatttete und sogar den Umfang der kostenfreien Lizenz erweiterte, das kommerzielle Produkt aber weiter führte? Wie sonst wäre zu erklären, dass erst unter VMware so recht Schwung in die Öffnung von GemStone hin zu open source-Projekten kam, sich Dale Henrichs zunehmend auch Themen wie Metacello und der Kompatibiltät von GemStone mit Pharo/Squeak widmen konnte? GemStone macht gerade einen sehr wichtigen Schritt: Weg von GemBuilder und der Notwendigkeit einer zweiten Smalltalk-Tools als Entwicklungs-Frontend hin zu einem kompletten Werkzeug mit einer eigenen (Webbasierten) IDE. Hier wird sehr viel mit Amber und Pharo gearbeitet und es gibt Initiativen hin zu einer Versionsverwaltung in Tools wie git oder subversion.

Der Mond über GemStone ist also ganz sicher nicht erblasst durch diese Ausgründung. Im Gegenteil, wir werden sicher noch viel Ineteressantes über GemStone hören in den nächsten Monaten. Die erste Etappe hierzu wird sicher die im Juni stattfindende STIC 2013 in den USA sein, auf der GemTalk dabei ist. Auch MagLev wird GemTalk weiterführen, und was uns Smalltalkern sicher am wichtigsten sein wird: es wird weiterhin ein kostenloses GLASS geben.

Die Ausgründung von GemTalk Systems steht nicht alleine da. Erst vor drei Jahren passierte bei Instantiations, dem Anbieter von VA Smalltalk, etwas ganz ähnliches: die Firma stiess ihr gesamtes Java-Produktportfolio samt Entwicklungsmannschaft an Google ab, und führte ihre Geschäfte als reine Smalltalk-Firma weiter (Joachims Small World berichtete). Seither hat sich auch an dem Produkt mehr getan, als in den Jahren zuvor.

Smalltalk scheint also nach wie vor eine Umgebung zu sein, in der es sich lohnt, zu investieren. Alle drei wichtigen kommerziellen Anbieter (Cincom, GemStone und Instantiations) scheinen profitabel zu sein und arbeiten fleissig an ihren Produkten. Auch im open source-Umfeld tut sich eine ganze Menge, angefangen bei Pharo, über Amber bis hin zu Squeak und GNU Smalltalk.

Um einen der abgeklopfteren Sprüche berühmter Persönlichkeiten zu bemühen: Die Gerüchte über das Ableben von Smalltalk sind noch immer völlig übertrieben….

Zum Abschluss noch ein paar weiterführende Links:

Die Interaktivität der Smalltalk-Entwicklung im Video

Erst gestern schrieb ich im Zusammenhang mit dem Google Summer Of Code und der Programmiersprache Smalltalk:

Smalltalk macht enormen Spass. Die sehr dynamische Umgebung ist sehr motivierend, weil man nicht toten Quelltext pflegt, sondern sich stets direkt im lauffähigen Objektsystem aufhält. Man muss es ausprobiert haben, um das zu verstehen…

und just einen Tag später lese ich auf Torsten’s blog über ein exzellentes Beweisvideo von Esteban Lorenzano, das dies sehr schön belegt:

Interactive Smalltalk

Hier kann man live zusehen, wie man sich als Smalltalk-Entwickler ein Objekt in einem Inspector greift, und direkt während des Programmablaufs Änderungen daran durchführt. Im verlinkten Video werden nur Variablen von Objekten zur Laufzeit geändert und damit der Verlauf des Programms beeinflusst.
Aber das ist erst der Anfang: Nutzt man den Smalltalk-Debugger, kann man direkt während des Programmlaufs den Code verändern und das Programm direkt weiter laufen lassen. Da es in Smalltalk keinen Compiler/Link-Zyklus gibt, ist das Ergebnis sofort verfügbar, man sieht die Auswirkungen seiner Änderungen sofort – und kann sie eventuell auch sofort noch feintunen. Leider ist der Debugger nicht im Video zu sehen.
Und das gezeigte funktioniert nicht nur mit virtuellen Bällen und Körben, sondern auch mit Flugbuchungen, SEPA-Lastschriftaufträgen, Wertpapier-Orders oder Buchungssätzen. Oder auch mit komplexen Berechnungen und so weiter. Ein Programm ist so seine eigene Simulation. Das meine ich mit motivierend und Dynamik.
Danke Torsten, für die Argumentationshilfe zum perfekten Zeitpunkt ;-)
Und natürlich Danke an Esteban für das tolle Video.

Die European Smalltalk User’s Group ist Mentoring Organization für Googles Summer Of Code 2013

Auch dieses Jahr hat Google die ESUG (European Smalltalk User’s Group) als Mentoring Organization für die Teilnahme am Summer Of Code ausgewählt. Das sind für die Smalltalk-Welt sehr gute Nachrichten.

Was ist der Google Summer Of Code?

Die Kurzform: Google bezahlt einen oder mehrere Studenten dafür, dass sie diesen Sommer an einem open source – Projekt zusammen mit einer Mentoring Organization arbeitet. Mitmachen können alle Studenten einer Bildungseinrichtung wie z.B. Universitäten, Fachhochschulen, duale Hochschulen etc. Jeder (zugelassene) Student, der zum Abschluss des Summer Of Code seine Ziele erreicht, erhält von Google ein Stipendium in Höhe von 4500 US Dollar. Ja, richtig gelesen: eine schöne Summe fürs Programmieren an einem open source – Projekt.

Die Mentoring Organization, also in diesem Fall die ESUG bekommt von Google für jeden betreuten Studenten eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 500 USD. Auch das ein sehr willkommener Beitrag für eine Organisation, die open source – Projekte durchführt.

Die Langform und wirklich alle wichtigen Informationen finden sich auf der Homepage des Google Summer Of Code 2013. Dort findet sich auch eine sehr umfangreiche Sammlung von FAQs.

Wie kann man mitmachen?

Es gibt die Möglichkeit, als Mentor für ein Projekt mitzuhelfen. Für Studenten heisst es nun, sich bis 22. April schlau zu machen, was für Projektideen die ESUG vorgeschlagen hat, und woran man Spass hätte, mit zu arbeiten. Die Projektideen der ESUG finden sich hier. Als Teilnehmer wendet man sich zunächst an die Mentoring Organization, die dann anhand der (noch nicht festgelegten) Anzahl gesponserter Projekte die Studenten auswählt. Die Bewerbungsfrist für Studenten endet am 3. Mai.

Warum sollte man sich ausgerechnet für ein Smalltalk-Projekt im Google Summer Of Code interessieren?

Es gibt einige gute Gründe:

  1. Smalltalk ist die Mutter der OO-Sprachen. So ziemlich alle Konzepte rund um die objektorientierte Programmierung haben ihren Ursprung in Smalltalk. Selbst wenn man nicht vorhat, später in Smalltalk zu arbeiten, lernt man hier eine ganze Menge über gutes Design. Smalltalk ist wie Latein: Spanisch, Französisch und andere Sprachen lassen sich mit fundiertem Latein leichter erlernen.
  2. Im Smalltalk-Umfeld passiert sehr viel mehr, als man vielleicht denkt. Gerade in Europa: Pharo Smalltalk zum Beispiel ist ein Projekt, das hauptsächlich in Frankreich, der Schweiz und Deutschland von zahlreichen Leuten unterstützt wird. Daneben ist Smalltalk auch stark in Südamerika vertreten (wie wäre es mit einem Job in Buenos Aires???).
  3. Smalltalk macht enormen Spass. Die sehr dynamische Umgebung ist sehr motivierend, weil man nicht toten Quelltext pflegt, sondern sich stets direkt im lauffähigen Objektsystem aufhält. Man muss es ausprobiert haben, um das zu verstehen…
  4. Die Smalltalk-Gemeinde, vor allem im open-source-Umfeld, ist seit Jahren am Wachsen. Auch, wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als wenn Smalltalk seine beste Zeit gehabt hätte, macht Smalltalk sich seinen Weg langsam aber sicher zurück in den Markt. Ähnlich wie es Ruby, PHP und andere Technologien vorgemacht haben, bewegt sich Smalltalk nicht mehr, wie das in den neunziger Jahren noch üblich war, durch große Strategie-Entscheidungen in Organisationen hinein, sondern durch Projekte einzelner, die einfach eine Lösung für existierende Probleme implementieren. So setzen aktuell Unternehmen Smalltalk ein, in denen “das Management” gar nichts davon weiss, und leistet gute Dienste.
  5. Die ESUG hat einige Erfahrung mit der Betreuung von Studenten im Rahmen des GSoC. 2013 wird das sechste Jahr sein, in dem die ESUG teilnimmt. Einige der Mentoren, die bisher Projekte vorgeschlagen haben, sind schon mehrfach dabei gewesen und haben mit ihren Studenten wertvolle Tools und Frameworks in die Smalltalk-Welt eingebracht. Manche Mentoren für 2013 waren selbst in vorangegangenen GSoC’s als Student dabei. Einen Überblick dazu kann man sich hier verschaffen.
  6. Die Smalltalk-Welt ist überschaubar: Wir sind eine relativ kleine Familie (verglichen mit Communities wie JavaScript oder PHP), in der man mit einem einzelnen Projekt durchaus etwas bewegen kann, und nicht eines von vielen Projekten ist, das vielleicht niemals Beachtung finden wird. Es kann also durchaus sehr befriedigend sein, hier mit zu arbeiten. Und vielleicht gibt es dann auch noch ein kleines Stückchen Ruhm zu erlangen ;-)

Also: Gründe gibt es genug, und wir freuen uns über jeden, der Mitmachen möchte. Es gibt viel zu tun und hohe Ziele zu erreichen, aber vor allem viel zu lernen und dabei eine Menge Spass zu haben!

Informier Dich hier! 

 

Pharo 2.0 ist offiziell verfügbar

Das Pharo-Projekt, das einst mit dem simplen Anspruch startete, die beste Smalltalk-Umgebung zu entwickeln und als open-source kostenfrei zur Verfügung zu stellen, hat auf diesem Weg einen neuen Pflock eingeschlagen. Die Version 2.0 wurde gestern freigegeben. Es wurde viel aufgeräumt, vereinheitlicht und verbessert, aber vor allem wurden weit über 1000 Bugs gefixt:

We are proud to announce the release of Pharo 2.0!

You can find information about Pharo at:
http://www.pharo-project.org

About this release
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All in all, there were over 1600 issues treated in the issue tracker
and 1350 improvements integrated into 2.0.

Pharo ist die Heimat diverser Projekte, die in der Smalltalk-Welt und darüber hinaus für Aufsehen gesorgt haben. Als erstes fallen mir da natürlich Seaside und einige darauf aufbauende Tools (Pier, Magritte etc.) ein, sowie Moose mit seinen Teilprojekten. Nicht zu vergessen DBXTalk, das eine komplette Infrastruktur rund um GLORP und openDBX für Pharo aufbaut. Viele davon sind auf anderen Umgebungen ebenfalls verfügbar, aber werden in Pharo gepflegt.

Ein Ansatz der Pharo-Gemeinde, der von Anfang an im Mittelpunkt stand, war, dass man sich von anderen Plattformen abspaltet, und seinen eigenen Weg geht. Das hat eine ganze Menge Vorteile, etwa eine sehr hohe Schlagzahl an Innovationen, aber eben auch Schattenseiten. Es gab und gibt immer wieder Maintainer von Projekten, die sich entschieden haben, Pharo als Plattform nicht mehr primär zu bedienen, sondern dazu aufriefen, es möge sich jemand als Portierer bzw. Maintainer eines Ports nach Pharo bereit erklären. Letztes prominentes Beispiel ist Chris Muller mit seiner OO-Datenbank Magma. Das kann aber im Endeffekt natürlich bedeuten, dass, wenn sich ein Porter findet, mehr Zeit für das eigene Projekt bleibt, und somit kann auch dies eine gute Nachricht sein. Und wer weiss, vielleicht wird aus dem Porter eines Tages ein Hauptentwickler, und so wächst das Projekt noch schneller…

Pharo Smalltalk ist  bei weitem die Smalltalk-Umgebung mit der aktivsten open source – Gemeinde und legt ein enormes Tempo bei der Integration von Neuerungen hin. Es lohnt sich also ganz sicher, sich mit Pharo Smalltalk zu beschäftigen, wenn man sich für Smalltalk interessiert.

Pharo Smalltalk läuft auf Windows, Linux, Mac OS X, Android und iOS und deckt damit neben Squeak die meisten Plattformen ab. Der Code ist auf allen Plattformen unverändert lauffähig (man kann einfach das Image auf einen anderen Rechner transportieren und dort starten, ohne jegliche Anpassungen), sodass ein Portierungsaufwand nicht anfällt, solange man keine Plattformspezifischen APIs nutzt (was vor allem auf iOS und Android natürlich schwierig sein kann, vor allem wegen des nativen Look&Feels).

Wer also von Smalltalk schon gehört hat, und sich das irgendwie mal gerne anschauen würde, sollte sich unbedingt Pharo 2.0 herunterladen und loslegen. Auf den Projektseiten von Pharo sind viele Links zu Einsteiger- und weiterführendem Material.

Wir haben übrigens erst vor ein paar Wochen ein Interview mit Stéphane Ducasse auf unserem Podcast “Smalltalk Inspect” geführt, in dem wir über die Entwicklung und Beweggründe hinter Pharo gesprochen haben. Ausserdem haben wir viel über die Bemühungen des Projekts in Richtung Finanzierung und Weiterentwicklung von Pharo gelernt. Es lohnt sich also, auch da mal reinzuhören.

Erste Eindrücke nach der Verjüngungskur

Nun also ist mein MB Pro 4,1 (early 2008) seit ein paar Tagen mit einer Samsung SSD  ausgerüstet (Dieses Blog berichtete) und die Re-Installation sowie Einrichtung meiner kuscheligen Arbeitsumgebung schreitet voran. Man sieht ab und an mal, dass es mit der Intuitivität (heisst das so???) beim Mac OS nicht immer allzu weit her ist.

  • Wer dachte, Ctrl-Alt-Del sei eine völlig hirnverbrannte Tastenkombination, und wer das erfunden habe, solle dereinst die Strafe dafür zahlen, der führe sich mal die folgende Tastenkombination zum Zurücksetzen des NVRAM des Macs zu Gemüte: Befehlstaste-Wahltaste-P-R. Wohlgemerkt, zu diesen 4 Tasten sollte man gleichzeitig noch den Einschalttaster drücken, denn die Wahrscheinlichkeit, dass man diese 4 Tasten nach dem Drücken derselben findet, ist sehr gering. Der reset des NVRAM ist ansonsten völlig problemlos verlaufen, nach dem zweiten Piepsen hat das Ding einfach neu gestartet und recht fix von der richtigen Platte gebootet. Zuvor hatte das Gerät zwar auch nur eine, aber es musste beim Einschalten eine Weile darüber meditieren, ob vielleicht irgendwelche Sphären ein zusätzliches Bootmedium bereithalten, oder ob vielleicht ein weitere Sekündchen asketischen Ommmens neue Erkenntnis bringen möge. Der Verlust einer Festplatte, an die man sich 5 Jahre lang gewöhnt hatte, wiegt eben schwer und desorientiert schon mal ein bisschen.
  • Passend zur vorösterlichen Stimmung hat sich Apple vorausschauend ein lustiges Spielchen dafür überlegt, wo man bestimmte Einstellungen ablegen könnte, damit der Nutzer auch wirklich Freude an deren Auffinden hat. So muss das Bewegen eines Fensters durch doppeltes Anklicken und sofortiges Ziehen  nicht etwa bei den Einstellungen des Trackpads aktiviert werden, sondern ist natürlich eine Bedienungshilfe. Denn schliesslich ist das was ganz anderes, als wenn man mit dem Daumen und drei Fingern den Desktop in den Vordergrund holt. Das gehört nämlich ganz sicher zu den Trackpad-Einstellungen, ist doch klar, oder? Aber positiv sei hier zu vermerken, dass selbst mein 5 Jahre altes Touchpad mit Taster schon für derart waghalsige Tatschgesten geeignet ist. Verrückt, was sich Apple da übrigens alles für die Fitness der Fingermuskulatur so alles ausgedacht hat. Man kann wohl einen ganzen Tag mit der Übung von Gesten verbringen. Mein Schreibmaschinenkurs anno 1998 war ein Dreck dagegen ;-)
  • Es gibt da noch so ein paar Anekdoten, aber es würde langweilig…

War es ein Erfolg, das Aufrüsten? Das ist sicher die Frage, die den geneigten Leser  so weit getrieben hat, hier noch immer zu lesen. Die kurze Antwort: Aber Hallo!

Die Startzeiten werden gerne als Referenzwert hergenommen, um zu beweisen, wie toll schnell der Rechner nun ist. Nun hat dessen Praxisrelevanz einen überschaubaren Umfang. Nur, weil meine SSD darin nun schneller ist, boote ich den Rechner freiwillig nicht ein einiziges mal mehr am Tage… Genau hier übrigens fand ich den Effekt nicht besonders aufregend. Bis der Kaffee geholt war, war auch früher schon alles so weit ;-)

Das wirkliche Boah! war eigentlich erst beim Start von VMWare, LibreOffice, Illustrator  oder Coda zu spüren. Und das ist schon sehr gut spürbar. Erst mit einer SSD merkt man so richtig, das CPU-Power beileibe nicht alles ist. Mein Laptop kann so sicher noch zwei, drei Jahre seinen Dienst tun, ohne, dass ich ständig neidisch auf schicke Unibody-Macs mit verklebtem Akku, patentierten Schrauben ohne jegliche Unebenheiten, Kohlefaserversenkte Speicherbänke und so weiter schielen muss. Das gute Gefühl, ein solides Stück Hardware noch eine Weile länger zu nutzen, und nur eine Festplatte dem Ökosystem zuzumuten anstatt ein komplettes, ansonsten funktionstüchtigen Laptops, kann ich nun erhobenen Hauptes geniessen und dennoch meine Arbeit verrichten. Das Budget freut sich auch, denn diese Umrüstung hat unter 10% eines neuen Laptops gekostet.

Zum Abschluss dieses ja eigentlich langweiligen Themas noch ein paar Praxistipps:

Eine vielleicht sehr wichtige Info, die ich eher durch Zufall gefunden habe: Samsung bietet ein Tool zum Update der Firmware der 840er SSDs für den Mac an. Im Web findet man fast nur (veraltete) Forumsdiskussionen, in denen genau das bemängelt wird: Dass nämlich ein Firmware-Update nur durch Ausbau der Platte und Anschluss an einen PC möglich sei. Dem ist nicht so, es gibt ein Tool namens “Samsung SSD Firmware Updates for Mac Users“. Dieses Tool arbeitet genau so, wie im zugehörigen manual beschrieben, allerdings war meine Platte bereits auf dem neuesten Stand, also kann ich nicht sagen, ob ein FW-Update funktioniert. Da die Platte läuft und gute Dienste zu tun scheint, ist das aber auch in Ordnung, ich werde vermutlich nie ein weiteres Firmware-Update durchführen, wenn nicht irgendwas schlimmes passiert.

Der Trim Enabler ist ein Tool, das eigentlich eine Frechheit ist. Halt, nicht falsch verstehen: das Tool ist genial. Genial einfach und genial wichtig. Aber es ist eine Frechheit von Apple, das Anschalten von TRIM für fremd-Platten einfach nicht selbst anzubieten. Umso mehr ist es angebracht, dem Entwickler des Trim Enablers eine Freude zu machen, und den Donate-Button auf seiner Seite zu klicken. Das Ding ist super simpel zu bedienen (Schieber von Off auf On und den Rechner neu starten) und tut seinen Dienst absolut problemlos (Über diesen Mac berichtet, TRIM sei aktiviert).  Das mit der Spende hat allerdings einen Haken: die verlinkte Paypal-Seite zum Spenden ist auf finnisch, und ich hatte bisher keine Ahnung, dass “Deutschland” auf finnisch “Tyskland” heisst. Ich hätte aber eine Nachbarin fragen können, wenn ich es nicht erraten hätte…

 

MacBook Pro – Verjüngungskur

Seit ich auf meinem MacBook Pro 4,1 (early 2008) in einer Windows XP VM auch noch DB2 zu Entwicklungs- und Testzwecken brauche, zeigt sich, dass 5 Jahre offenbar eine ganze Weile sind. Ab und an hatte der Beachball doch mal ein paar Sekunden seinen farbigen Charme versprüht.

Nun gibt es natürlich die Möglichkeit, so richtig Geld in die Hand zu nehmen, und sich eines der schicken neuen MacBook Pro’s zu kaufen, aber irgendwie missfallen mir Apples Wartungshürden, die immer höher werden. Ich möchte mir, auch wenn sie leider völlig überteuert sind, einfach einen neuen Akku kaufen können. Oder einfach ein bisschen mehr Speicher reinstecken. Oder womöglich mal eine Platte austauschen. Nun war das noch nie eine der starken Seiten von Apple, aber besser geworden ist es bei diesem Thema in den letzten Jahren nun wirklich nicht.

Bis vor der Installation von DB2 unter Windows hatte ich mit diesem Core 2 Duo – Gerät keine Performance-Probleme, auch nicht, wenn ich Windows XP unter VMWare nutzte. Verglichen mit sogenannten modernen Entwicklungsumgebungen ist VA Smalltalk ein wirkliches Ressourcen-Sparwunder. Und was spricht schon dagegen, ein komplett funktionstüchtiges Gerät einfach mal ein paar Jahre länger zu nutzen: noch ist mein MacBook vom neuesten und feinsten Mountain Lion unterstützt, zumindest sind alle features unterstützt, die ich brauche (Powernap ist bestimmt sehr nett, und Airplay auch, aber…)

Langer Rede kurzer Sinn, ich habe mir nun also eine Samsung SSD aus der 840 Baisc Serie gegönnt und eingebaut. Nun bin ich zwar kein wirklicher Hardware-Hacker, aber vor vielen, vielen Jahren habe ich mir meine PCs auch selbst zusammengeschraubt (Es dauerte IMMER ein Wochenende, denn Samstags musste man grundsätzlich ein paar Teile beim Händler umtauschen, damit Sonntag früh dann alles installiert werden kann. Aber Spass hat es gemacht!), also ging ich frohgemut und mit einigen Anleitungen bewaffnet ans Werk:

  • Es gibt wohl keinen berühmteren Ort für Reparaturanleitungen, als iFixit.com
  • PowerBook Medic half beim Aufschrauben per Video, weil die Sache mit den vier komischen Haken vorne über dem DVD-Laufwerk fühlte sich schon unheimlich an…

Nach dem (fast kompletten) wieder Zusammenschrauben gleich mal die große Freude: Tastatur und Streichelbrettchen gehen noch! Was bin ich für ein Held!

Das Laptop hat schon ein paar Generationen OS X erlebt, und es wurde bisher immer per Update installiert. Damit hatte ich zwar nie wirklich Probleme, aber irgendwie wollte ich nun mal frisch installieren. Wenn schon Platte raus, dann entschlacke ich gleich richtig, dachtre ich mir. Das ist natürlich bei einem Betriebssystem, das man nicht auf einem Medium kaufen kann, eine Sache für sich.

Aktuell installiere ich Mountain Lion von einem USB-Stick. Im Grunde war das alles sehr einfach, wenn man denn eine passende Anleitung dazu findet. Und ich habe eine von netzwelt.de benutzt. Sie war so schön bebildert und wirklich Idiotensicher.

Nach dem Einbau dann die erste Schrecksekunde: Das Installationsprogramm kennt die Platte nicht. Kurzes Paniken, dann die Erleuchtung: vielleicht ist das ein bisschen anders als bei Windows, und das Partitionieren ist nicht Teil des Installationsvorgangs. So war es dann auch. Zurück zum Startdialog, Festplattendienstprogramm starten, und die Platte wird dort angezeigt. Also rasche eine Partition drauf, und zurück ins Installationsprogramm. Großes Aufatmen, die Platte ist da und wird als Medium für die Installation angeboten.

Noch kann ich gar nichts zur Performance sagen, der Installationsvorgang läuft ja noch, und dauert eine gefühlte Ewigkeit (knapp 20 Minuten laut Installationsprogramm). Der erste Reboot hat geklappt.

Apple wäre nicht Apple, wenn es einfach so alles mögliche an Hardware zuliesse. Deshalb unterstützt OS X auch kein TRIM. Dafür gibt es aber ein mit Lob überhäuftes Freeware-Programm namens TRIM Enabler, das ich nach der Installation gleich drauf machen werde. Und dann gehts ans kopieren der Daten und Installation meiner Anwendungen. Das wird noch spannend. Ich habe mich wegen der “clean install”-Methode gegen die so oft zitierte Vorgehensweise mit Carbon Copy Cloner oder SuperDuper entschieden, sondern werde die alte Platte einfach extern per USB anschliessen (hab da so ein externes Dock für Platten) und die benötigten Sachen von Hand kopieren.

So, nun habe ich lange genug getippt, die Installation ist durch, der Rechner bootet gerade neu, jetzt habe ich keine Zeit mehr fürs Blog. Demnächst vielleicht mehr zum Thema. Jetzt will ich erst mal Besitzerstolz aufbauen ;-)

Die Autobahn…

…macht uns vor allem dann große Freude, wenn sie sich in Nebel hüllt oder glitschig wird. Die Massenkarambolage heute auf der A45 zeigt es wieder: egal, was für ein Hero man glaubt, am Gaspedal zu sein, meist ist man schlichtweg schneller in dem Schlamassel drin, als man daran denken kann, “uups!” zu sagen.

Und es gibt sicher sehr wenige Autofahrer, die sich da nicht an die eigene Nase fassen sollten, mich kann ich da leider nicht ausnehmen. Ich fahre glücklicherweise keinen dieser bei 340 km/h abgeregelten 4-Tonner mit 48-Wege-Audiosystem und eingebautem Nebelvertreiber. Man sieht diese Kisten ja oft genug, wie sie bei 30 Meter Sichtweite den Nebel oder das Schneegegriesel durch brachiales Dagegenrasen auf der linken Spur zu überlisten versuchen. Und damit nicht irgend so ein hirnverbrannter Idiot mit Papas 5er auf das heilig Blechle draufrast, weil er sich eifach völlig überschätzt, macht man vorsichtshalber mal die Nebelschlussleuchte an, es passiert ja so schnell mal was, und man muss immer mit den Fehlern anderer rechnen…

Und ja, dieser Tipp auf Spiegel online erscheint einem logisch, und doch macht man genau diesen Fehler immer wieder:

Bei solchen Witterungsverhältnissen begehen viele Autofahrer einen schweren Fehler, sagt Siegfried Brockmann, Leiter derUnfallforschung der Versicherer (UDV). “Sie orientieren sich bei extrem schlechten Sichtverhältnissen am Vordermann. Dabei kopiert man aber automatisch dessen Fahrstil, vergisst dabei das eigene Sicherheitsverhalten und fährt zu schnell.” Er rät dazu, sich die Geschwindigkeit lieber selbst vorzugeben, als zum Vordermann aufzuschließen.

Vielleicht hilft ja die ebenfalls dort zu findende Auffrischung zum Thema Sichtweiten, Bremsweg und bessere Verhaltensweisen wieder mal ein paar Tage vor. Vielleicht reicht es ja sogar zu einem guten Vorsatz. Wie der, dieses Jahr endlich mal wieder einen erste Hilfe-Kurs zu besuchen …

kindle-Bücher und die Steuer – Die (vorläufige) Auflösung

Vor einigen Tagen habe ich ja schonmal über die Frage sinniert, in wie weit man kindle-Fachbücher steuerlich absetzen kann. Nun, inzwischen habe ich zumindest mal eine fundierte Vermutung (sic!) dazu…

Wie kürzlich berichtet, kann man sich bei Amazon eine Rechnung zu seinen Kindle-Einkäufen ausstellen und auf dem Postweg zukommen lassen. Die ist dann zumindest halbwegs als Rechnung zu erkennen, allerdings fehlen ihr ein paar wichtige Merkmale. So ist zwar die Luxemburgische Mehrwertsteuer darauf, aber da kindle ja ausdrücklich ein Angebot für Provatpersonen ist, gibt es nicht die Möglichkeit, seine Umsatzsteuer-ID bei Amazon zu hinterlegen oder für eine nachgereichte Rechnung anzugeben.

Ich würde also vermuten, dass der Fiskus diese Rechnung nicht anerkennt, wenn man versucht, ein kindle-Buch als Betriebsausgaben anzusetzen.

Ich habe inzwischen bei der Konkurrenz angefragt, und dort wurde mir versichert, man stelle ganz normale Rechnungen mit Umsatzsteuer aus, wenn man bei ihnen e-Books bestelle.

Fazit: der kindle mag ein tolles Lesegerät sein, aber die Bücher darauf sind steuerlich gesehen reines Privatvergnügen, und wenn es noch so sehr nach Fachbuch riecht auf der Bestellübersicht.

Nun kann man sich fragen, ob der Deutsche Fiskus nicht Amazon-freundlich ist, oder ob man bei Amazon einfach eine mir-doch-egal-Einstellung zum Thema deutsche Steuern hat. Für Kunden ist es eher nicht egal…

Amazon Kindle: Hände weg von Fachbüchern

[Update / Richtigstellung: inzwischen habe ich vom Amazon-Kundenservice die Auskunft erhalten, dass kindle ein Angebot ausschliesslich für Privatkunden ist, und dass man sich dennoch mit einer Mail an die Adresse kindle-mehrwertsteuer@amazon.de eine korrekte Rechnung ausstellen lassen kann, die dann allerdings nicht auf eine Firmenadresse, sondern explizit nur auf eine Privatadresse ausgestellt werden kann. Diese soll mir in den nächsten Tagen per Post zugehen. Ob das dann als Nachweis einer betrieblichen Veranlassung anerkannt wird, werde ich spätestens bei der nächsten Betriebsprüfung feststellen. Was der ganze Zirkus soll, ist mir dennoch ein Rätsel. Gerade bei Fachliteratur ist doch ein vernünftiger Kaufnachweis essentiell. Sei es für Studenten, Arbeitnehmer, Freiberufler oder Firmen...]

Eigentlich bin ich ja ein wirklich zufriedener und überzeugter Amazon-Kunde. In der Logistik und Auftragsabwicklung hat dieses Gemischtwaren-Handelsunternehmen absolute Standards gesetzt, die jahrelang unerreicht waren. Zum Glück hat sich das aber geändert, denn es gibt Bereiche, in denen es dringend eines starken Konkurrenten bedarf.
Stein meines Anstosses ist mein erster und vermutlich letzter Kauf eines e-Books für berufliche Zwecke. So sieht es der Anbieter meines Vertrauens nicht als notwendig an, eine anständige Rechnung auszustellen. Im Gegenteil: Am Fusse des Lieferscheins, oder wie auch immer das Ding heissen mag, das man da im Kindle-Kundenbereich herunterladen kann, steht ausdrücklich, dass es sich dabei nicht um eine ordentliche Rechnung. IT Mehrwertsteuer-Ausweis handle. Das wird den Finanzbeamten  meines Vertrauens aber freuen. Nicht nur, dass ich damit keine Vorsteuer nicht geltend machen kann, vermutlich wird die Rechnung insgesamt nicht anerkannt werden, also handelt es sich bei einem e-book aus dem kidle-store chlichtweg nicht um Betriebsuasgaben. Vorsicht ist da natürlich auch für Arbeitnehmer geboten: wenn mein Arbeitgeber die Ausgabe nicht geltend machen kann, kann erst sie mir auch nicht ertatten. Ganz einfach.

Ja, Danke, Amazon, aber NEIN DANKE. Mir ist egal, ob Du in Luxemburg Mehrwertsteuer abführst, und wie viel. Das ist eine Sache, die Du mit Deinem Finanzamt abmachen musst. So wird es nichts mit der Weltherrschaft des kindle-buchs. Da wird es dann doch wieder die Papierversion (besonders viel spart man bei e-books ja sowieso nicht), und andere Eltern haben auch nette Buchläden…